Es war nicht das erhoffte, bis zur letzten Sekunde leidenschaftlich geführte Bergische Derby zwischen dem VfL Gummersbach und dem Bergischen HC. Dafür führten die Gastgeber in der ausverkauften Schwalbe-Arena schon nach 30 Minuten zu deutlich. Der BHC hatte sich vor der Pause durch diverse Fehler und Ballverluste um seine Außenseiterchance gebracht. In der zweiten Halbzeit verhinderte er ein deutlicheres Ergebnis und unterlag 30:38.
Bis etwa zum 6:6 lief das Derby nach dem Wunsch der BHC-Trainer Arnor Gunnarsson und Markus Pütz. Die Abwehr funktionierte auch ohne den angeschlagenen Gerdas Babarskas (Magenprobleme) recht ordentlich, Christopher Rudeck fand im Tor gut ins Spiel. Seine Paraden führten genauso zu erfolgreichen Tempotoren wie die schnelle Mitte unmittelbar nach Gegentreffern.
Dann allerdings leistete sich die Mannschaft eine Phase mit fünf technischen Fehlern innerhalb weniger Minuten. Diese sorgten für sechs Gummersbacher Treffer in Serie und einen 6:12-Rückstand, der kaum noch aufzuholen war. Das lag zum einen an weiteren Nachlässigkeiten, vor allem aber auch an einer enormen Gummersbacher Qualität. Nikola Roganovic, Alex Dujshebaev und Miro Schluroff zeigten viel Durchschlagskraft aus dem Rückraum.
Der BHC lief fortan hinterher, hatte aber in Sören Steinhaus und Lukas Becher gleich zwei achtfache Torschützen in seinen Reihen. Becher traf sicher von außen und versenkte zudem drei Siebenmeter. Steinhaus übernahm die Führung auf dem Feld und zeigte sehr großen Zug zum Tor.
Die Begegnung war beim 14:21-Rückstand zur Pause zwar nahezu entschieden, doch die Bergischen verhinderten es, den Gummersbacher Vorsprung noch größer werden zu lassen. Kristian van der Merwe rückte für Rudeck zwischen die Pfosten, Nico Schöttle blieb für Babarskas im Innenblock, der so komplett geschont werden konnte. Auch Johannes Wasielewski erhielt Entlastung. In der Schlussphase spielte Zeb Bjerneld im rechten Rückraum und erzielte sein erstes Tor in seinem zweiten Bundesligaspiel.
Zuvor kam auch Janik Schrader für gute zwölf Minuten zum Einsatz. Der Neuzugang, der bislang aufgrund einer Fußverletzung passen musste, belebte das BHC-Spiel spürbar. Er traf zwei Mal selbst und bediente Lukas Becher sehenswert – ein vielversprechendes Debüt des Linkshänders.
Am Ergebnis, beziehungsweise der Tendenz, änderte das alles nichts mehr. Der BHC erzielte zwar zwischendurch auch mal ein paar Tore in Serie, doch der Rückstand pendelte sich immer wieder bei sieben bis acht Toren ein. Am Ende hieß es 30:38 aus Löwen-Sicht.
Löwengebrüll – Stimmen zum Spiel
Markus Pütz: „Es war ein verdienter Sieg. Wir wissen, dass es Spiele sind, bei denen alles passen müsste, um in die Nähe von Punkten zu kommen. Wir sind ein bisschen gehandicapt. Gerdas Babarskas war die Woche drei Tage im Krankenhaus, dadurch kommt Nico Schöttle für 60 Minuten in den Innenblock zum ersten Mal nach einer langwierigen Schulterverletzung. Unsere gewohnten Abläufe sind dadurch nicht da, wobei wir unabhängig davon eigentlich gut ins Spiel kommen. Mitte der ersten Hälfte haben wir dann einen 0:6-Lauf, in dem wir den Gegner durch Fehler zum Tempospiel einladen. Das macht Gummersbach gut mit elf Tempotoren in der ersten Halbzeit. Das ist dann schwer zu verteidigen. Wir haben eine Angriffseffektivität von unter 50 Prozent, so dass die Herangehensweise in der zweiten Halbzeit darauf ausgerichtet war, auf uns zu schauen und ein paar Dinge auszuprobieren. Janik Schrader macht die ersten Minuten für uns, er wird uns sehr gut tun. Die Gegner auf Augenhöhe kommen später. Der Sieg geht auch in der Höhe vollkommen in Ordnung.“
Gudjon Valur Sigurdsson: „Ich bin sehr zufrieden, dass wir gewonnen haben und wie wir gewonnen haben. In der ersten Halbzeit stehen wir gut in der Abwehr und der BHC macht ein paar Fehler zu viel. Dadurch können wir davonziehen. Das ist der Schlüssel zum Spiel. Der BHC hat es gut im Sechs gegen Sechs gemacht. Wir haben unsere Chancen aber sehr gut genutzt. Da hatten wir häufig Probleme gegen den BHC. Ich bin froh, dass wir 21 Tore in einer Halbzeit gemacht haben. Das passiert nicht oft.“
Fabian Gutbrod: „Nico Schöttle im Innenblock und das Comeback von Janik Schrader sind die Lichtblicke. Aufgrund der ersten Halbzeit ist es schwer, noch etwas mitzunehmen. Wir starten gut, aber der 0:6-Lauf killt uns – und auch ein bisschen die Moral und den Glauben. Wir bringen das Spiel in ordentlicher Art und Weise zu Ende, anders als gegen die Füchse Berlin. Aber es ist auch nicht mehr.“
VfL Gummersbach – Bergischer HC 38:30 (21:14)
VfL Gummersbach: Obling, Biosca – Roganovic (11/4), Dujshebaev (7), Schluroff (6), Horzen (3), Hallbäck (3), Kodrin (2), Häseler (2), Einarsson (2), Vidarsson (1), Sindrason (1), Vujovic, Blohme, Smits, Zeman. Trainer: Gudjon Valur Sigurdsson
Bergischer HC: Rudeck, Van der Merwe; Becher (8/3), Da Rocha Viana, Hangstein (2/1), Steinhaus (8), Babak (1), Hilding (2), Schöttle, Babarskas, Bergner (1), Kooij (2), Wasielewski (1), Schrader (2), Bjerneld (1), Fuchs (2)
Schiedsrichter: Thomas Kern und Thorsten Kuschel
Siebenmeter: 4/4 – 4/6
Zeitstrafen: 3 – 6 (Zeman (2), Schluroff – Kooij (2), Becher, Schöttle, Wasielewski, Steinhaus)