Frederik Ladefoged kommt am Kreis frei zum Wurf.

FÜNF MINUTEN KOSTEN DIE CHANCE

Der Bergische HC hat bei der TSV Hannover-Burgdorf deutlich mit 28:37 (13:19) verloren. So klar hatte es nach 25 Minuten noch nicht ausgesehen, doch in der Phase unmittelbar vor der Halbzeitpause entschieden die Niedersachsen die Partie in der LIQUI MOLY HBL bereits vor. Ein entscheidender Faktor war auch die personelle Situation.
Von einem frühen 3:7-Rückstand ließen sich die Bergischen nicht beeindrucken. Nach einer Auszeit griffen sie noch etwas disziplinierter an und erspielten sich hochprozentige Gelegenheiten. Ohne Simon Gade im Hannoveraner Tor wären die Gäste wohl sogar in Führung gegangen. Mehrere Male verkürzte der BHC auf ein Tor – durch Lukas Stutzke, Yannick Fraatz, Tim Nothdurft oder Tomas Babak zum Beispiel.

Wenn der Ball allerdings nicht reinging, war Hannover zur Stelle. Wie schon in den ersten Minuten war die Mannschaft aus der eigenen Abwehr heraus besonders zügig vorne. Doch die Niedersachsen trafen auch nach der schnellen Mitte. Dennoch: Mads Andersens 13:14 in der 26. Minute erhielt die Hoffnung auf einen guten Pausenstand mit der Option, in der zweiten Hälfte das Torhüterduell zu gewinnen oder etwas erfolgreicher die Konter zu vermeiden.

Daraus wurde allerdings nichts. Fehlwürfe, Ballverluste und Fehlpässe reihten sich aneinander – Hannover antwortete stets umgehend und führte aufgrund des 5:0-Laufs mit 19:13 zur Halbzeit. Danach verteidigte der BHC mit einer offensive 3:2:1-Variante, die die TSV aber auch nicht effektiv genug gestoppt bekam.

Die BHC-Chancen waren damit auf ein Minimum geschrumpft. Denn Hannover hatte natürlich einen deutlich breiter besetzten Kader. Bei den Bergischen agierte über weite Strecken mit Linus Arnesson ein Spielmacher am Kreis. Frederik Ladefoged stand als einziger nicht langzeitverletzter Etat-Kreisläufer zwar wieder im Kader, rieb sich auch für die Mannschaft auf, doch sein Rücken machte ihm noch zu schaffen, so dass er in der zweiten Halbzeit auch nicht mehr zum Einsatz kam.

Die Gäste hatten zwar noch ein paar gute Phasen – insbesondere Lukas Stutzke machte mit sieben Toren und fünf Vorlagen insgesamt ein starkes Match -, kamen aber nie mehr so nah heran, dass sich Hannover um den Sieg hätte sorgen müssen. Im Umkehrschluss bedeutete dies, dass in der Schlussviertelstunde auch sichtbar die Luft beim BHC raus war.

LÖWENGEBRÜLL – STIMMEN ZUM SPIEL
JAMAL NAJI: „Zuallererst Glückwunsch an Hannover zum verdienten Sieg heute. Bis zum 14:13 finden wir im Angriff sehr gute Lösungen, gerade aus hochprozentigen Spots lassen wir allerdings zu viele Bälle liegen. Im Rückzug haben wir gleichzeitig unglaubliche Probleme. Wir kriegen elf Tempo-Tore – sieben aus der ersten Welle, vier aus der zweiten und durch den 0:5-Lauf zum Ende der ersten Halbzeit gehen wir mit einer sehr hohen Bürde in die Kabine. In der zweiten Halbzeit haben wir zwischendrin mal ein wenig Luft geschnuppert, aber Hannover war mit der Stärke und Breite ihres Kaders an diesem Tag zu gut und lässt uns nicht mehr rankommen. Am Ende kommt eine für mein Empfinden zu hohe Niederlage zustande – nicht, weil es nicht verdient ist, sondern zu hoch, weil neun Tore einfach sehr weh tun. Wir müssen jetzt weiter nach vorne schauen für die nächsten zwei Spiele.“
CHRISTIAN PROKOP: „Die Leistung der Mannschaft und des Publikums ist absolut lobenswert. Es war heute eine ganz tolle Symbiose: So macht Handball in Hannover richtig Spaß. Wir hatten großen Respekt vor dem BHC – nicht nur wegen des letztjährigen Heimspiels zu ähnlicher Zeit, sondern vor allem auch, weil Jamal es geschafft hat, eine Mannschaft zu formen, die taktisch über sehr viel Handwerkszeug verfügt und wenn ihre Torhüter warmlaufen, es sehr schwer werden kann. Heute spielen wir aber mit unglaublich viel Energie, haben viele Lösungen und aus einer ganz tollen Mannschaftsleistung möchte ich Simon Gade und Marian Michalczik besonders hervorheben. Was sie gezeigt haben ist à la bonne heure. Ich möchte das Spiel nicht überbewerten, aber natürlich war es für uns heute ein sehr schöner Abschluss der Hinrunde.“
JÖRG FÖSTE: „Sinnbild für unsere Kadersituation ist der Umstand, dass Linus Arnesson sich heute 50 Minuten am Kreis versuchen musste. Da ist es ohnehin schon kompliziert, in Hannover etwas mitnehmen zu wollen. Das Gelingen lag dann auch in weiter Ferne, als wir in der 25. Minute den Pfad der Tugend aufgegeben haben. Wir haben bis dahin diszipliniert unsere Angriffe vorgetragen, wir haben bis dahin ruhig auf die Chance gespielt, die wir nicht immer verwertet haben, aber es sah sehr gut aus bis zum 12:13. Und die fünf Minuten vor der Pause haben uns dann den Weg zum Punktgewinn verbaut. Insgesamt hat Hannover es gut gespielt, auch gegen unsere 3:2:1-Deckung Lösungen gefunden. Damit war das Spiel dann nach 40 Minuten durch.“

TSV HANNOVER-BURGDORF – BERGISCHER HC 37:28 (19:13)
TSV HANNOVER-BURGDORF: Gade (1), Quenstedt – Uscins (1), Steinhauser (5), Michalczik (4), Kulesh (4), Strmljan, Edvardsson (3), Gerbl (2/1), Hanne (2), Brozovic (3), Fischer (6), Feise (2), Ayar, Büchner (4). Trainer: Christian Prokop
BERGISCHER HC: Rudeck, Johannesson – Beyer (4/1), Nothdurft (2), Andersen (1), Stutzke (7), Morante, Babak (2), Arnesson (3), Ladefoged (2), Santos, M´Bengue, Fraatz (6), Gunnarsson, Reimer (1).  Trainer: Jamal Naji
SCHIEDSRICHTER: Tobias Schmack und Philipp Dinges
SIEBENMETER: 1/2 – 1/1
ZEITSTRAFEN: 0 – 3 (Stutzke (2), Nothdurft)